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Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tief greifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. Dieses Mal sprechen wir mit Karin Foth, Mit-Geschäftsführerin von Jacana Tours.

Karin Foth, Gabriele Rimböck

Liebe Frau Foth, wären Sie so lieb Jacana Tours kurz vorzustellen?

Aber gerne! Jacana Tours ist ein Veranstalter für Individualreisen ins südliche und östliche Afrika. Wir würde nächstes Jahr 30 Jahre alt werden. Neben einer weiteren Gründerin, die schon lange andere Wege geht, sind meine Geschäftspartnerin Gabriele Rimböck und ich von Anfang an dabei. Wir hatten uns alle an unserem damaligen Arbeitsplatz kennengelernt, einem Reisebüro mit einem Visionär als Chef, der als Erster Ende der achtziger Jahre geführte Mietwagenrundreisen nach Südafrika anbot! So entstand unsere Liebe zu Afrika, die von Reise zu Reise wuchs und die wir seither leidenschaftlich „an den Mann“ bringen!

Ngorongoro Krater, Tansania

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Lage?

Es ist einfach so, dass mittelständische Reiseveranstalter schwerer als andere Industriebrachen betroffen sind. Wir sind fassungslos, ob der vielen täglichen Herausforderungen und der Gesetzeslage, mit der wir in Deutschland aktuell zu kämpfen haben. Es ist nicht nur so, dass wir aktuell keine Umsätze haben und durch Rückholaktionen auch Gelder einsetzen mussten, da wir durch EU-Gesetz dazu verpflichtet sind, die Kosten zu übernehmen, die bei einer Umbuchung von Airlines oder anderen Leistungsträgern weitergegeben werden. Unser Geschäft funktioniert vollständig über Vorkasse und da wir verpflichtet sind, aktuell stornierte Reisen innerhalb von 14 Tagen zu 100 Prozent an den Kunden zurückzuzahlen – die Gelder aber meist bereits in den Zielgebieten oder bei den Fluggesellschaften sind, zwingt uns die Kostenlast gerade in die Knie. Denn wir wissen auch nicht, ob, wann und wie viel wir von unseren Partnern vor Ort zurückerstattet bekommen. Ganz nebenbei wird auch vergessen, dass wir in die Ausarbeitung jeder einzelnen Reise viel Zeit stecken. Zeit, die nun nicht einmal mehr bezahlt bekommen. Nein, wir müssen sogar noch drauf zahlen!

Welche Lösungen brauchen Sie seitens der Regierung?

Wir bräuchten eine verbindliche Übernahme unserer Kosten und unserer Arbeitszeit aus Reisen, die in der Corona-Zeit abgesagt werden. Da sprechen wir von ca. 20 Prozent des jeweiligen Reisepreises. Inzwischen stehen auch schon verschiedene Fluglinien vor der Insolvenz, d.h. auch hier ist keine Aussicht darauf, dass wir die Gelder, die wir hier vorgestreckt haben, wiedersehen. Auch dafür brauchen wir einen Ausgleich.

Was bedeutet der Reise-Stillstand für Afrika, für Ihre Partner vor Ort, die gerade keine Touristen beherbergen dürfen?

Als Spezialreiseveranstalter wir buchen überwiegend Unterkünfte, die direkt in lokaler Hand sind. Diese arbeiten in der Regel nach sozialen und ökologisch nachhaltigen Gesichtspunkten. Somit fördern wir Partner, die sich um die Menschen in den umliegenden Gemeinden unterstützen und im Natur- und Wildschutz engagieren. Wir fördern gezielt schützenswerte Projekte und Reiseziele mit Fokus auf den Erhalt der afrikanischen Tierwelt. All das bricht vor Ort nun aktuell weg. Somit trifft der Stillstand im Reisen die Menschen und Tiere vor Ort hautnah und bedrohlich.

Wie, denken Sie, wird sich und muss sich das Reisen in Zukunft verändern – und was wird dabei die Stärke Afrikas sein?

Ich denke, dass individuelle Fernreisen, so wie es unsere Kunden bevorzugen, immer geben wird – vor allem im luxuriösen Segment. Hygienestandards einhalten und Abstand gewähren, ist auf Flügen in der Business Class, auf einem privaten Transfer in einem offenen Safarifahrzeug und der Unterbringung samt Verpflegung in einer kleinen Lodge mit wenigen Gästen und großen Suiten ja kein Problem, man muss es sich halt leisten können. Wenn sich dann noch entsprechend das Reiserecht ändert, kann die Zukunft fürs Reisen und gerade für das weite Afrika sehr gut aussehen.

Ausblick von der Gibb´s Farm, Tansania

 

Wenn Sie sich gerade nach Afrika träumen – was ist Ihr ganz persönlicher Sehnsuchtsort?

Unser Sehnsuchtsort ist ganz einfach der afrikanische Busch, gerne mitten in Botswana, aber auch immer und ganz lapidar z.B. in einer familiären Lodge am Krüger National Park, auf einer Abendpirschfahrt, sich mit einem Gin Tonic in der Hand über die faszinierenden „Sightings“ unterhält und dabei den südlichen Sternenhimmel bewundern kann!

Weitere Informationen unter www.jacana.de

Fotos: Jacana, Jelena Moro

Das Interview führten wir im Mai 2020