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Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tief greifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. Dieses Mal sprechen wir mit Bettina Köhler, Inhaberin von Ingonyama – African Escapes.

 

Liebe Frau Köhler, was macht Ingonyama – African Escapes aus?

Wir sind ein kleiner, feiner Spezialist für exklusive Reisen in den Süden und Osten Afrikas. Wir bieten keine Gruppenreisen, sondern nur maßgeschneiderte Individualreisen an, die genau auf jeden einzelnen Reisenden zugeschnitten sind. Restaurantreservierungen und jegliche Art von Aktivitäten, wie z. B. Reitausflüge oder Heißluftballonfahrten werden von uns gebucht.

Wann verliebten Sie sich in Afrika?

Im Juli 1993. Damals war ich bei meinem Vater für Golfreisen zuständig und fuhr auf eine Inforeise nach Simbabwe. Dort habe ich direkt mein Herz an Afrika verloren. Die Menschen, die Wildnis, die Tiere, die Gerüche, das Licht – so etwas gibt es nirgend wo anders!

 

Was macht Reisen nach Afrika für Sie aus?

Mit wenigen Menschen und dafür mit vielen Tieren in der Unendlichkeit der Wildnis zu sein.

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Lage?

Zum Glück hatte ich zwischen März und Juli keine Buchungen. Ich hoffe, dass es bis Ende Juli wieder Flüge nach Afrika gibt und die Unterkünfte wieder Gäste empfangen können.

Wie hat die Coronakrise Ihr Unternehmen betroffen?

Ich habe Kunden, die ihren Urlaub frühzeitig abbrechen mussten und nun das Geld für die entgangenen Tage zurückfordern. Das Geld ist aber bei den Unterkünften, die es ablehnen dies zurückzuzahlen, da sie es ebenfalls nicht mehr haben und auch keines für einige Zeit einnehmen werden.

Welche Lösungen brauchen Sie dafür?

Am besten wäre entweder ein verpflichtender Gutschein als Entschädigung für Reisen, die nicht stattfinden können oder eine finanzielle Entschädigung vom Staat. Wir Reiseveranstalter brauchen eine durchdachte und sinnvolle Änderung des §651 für eine Pandemie, wie diese und ähnliche höhere Gewalt. Es ist vielen Reisenden vielleicht nicht bewusst, aber wir kleinen Veranstalter müssen die Unterkünfte schon weit vor Reisebeginn bezahlen oder anzahlen und können daher die Anzahlungen der Kunden nicht so einfach zurückerstatten, vor allem wenn dies wegen einer Pandemie für alle auf ein Mal passieren soll. Wir bekommen von den Lodges im besten Fall auch nur Gutscheine. Da würde eine Verschiebung der Reise auf das nächste Jahr oder verzögerte Zurückzahlung schon helfen. Sonst droht in vielen Fällen die Insolvenz.

Sehen Sie in Ihrer Spezialisierung auf den afrikanischen Kontinent gerade jetzt eine Stärke?

Nicht wirklich. Das einzige Positive ist, dass wir Afrika-Experten nun zusammenhalten und wir auch die Leistungsträger vor Ort alle persönlich kennen. Es ist eine kleine, untereinander wohlgesonnene Gemeinschaft.

Wie Sie eben gesagt haben: Sie kennen Ihre Partner vor Ort. Was sind die größten Nöte und Probleme, mit denen diese gerade zu kämpfen haben?

Was viele nicht wissen, ist, dass vom Übernachtungspreis, vor allem in Afrika und bei den Safari-Lodges, nicht nur die Mitarbeiter bezahlt werden, sondern eben auch der Wildschutz, Schulen, Krankenhäuser etc… Wenn viele keine Arbeit haben, wird wieder gewildert, um etwas zu Essen zu haben. Weniger Touristen bedeutet weniger Kontrolle im Reservat.

Über was sprechen wir in dieser komplexen Situation zu wenig?

Viele denken, dass Langstreckenreisen unnötig sind und nur die Luft verschmutzen. Gerade jetzt wird darüber geredet lieber in Deutschland zu bleiben. Das ist Unfug! Reisen bildet und zwar im doppelten Sinn des Wortes: Reisende bringen Geld für Schulen, Kinder lernen. Lernen auch etwas von Familienplanung, Unabhängigkeit – dass heißt kleinere Familien und weniger Menschen = weniger CO2-Verbrauch und weniger Rassismus. Deshalb sollte jeder viel Reisen!

Wie, denken Sie, wird und muss sich das Reisen in Zukunft verändern?

Ich hoffe auf weniger Massentourismus in großen Bettenburgen und nur an den Strand. Dafür auf mehr bewusstes, nachhaltigeres Reisen, auch wenn es bedeutet, dass es teurer wird.

 

Wohin träumen Sie sich gerade, wenn Sie die Sehnsucht nach Afrika überkommt?

In den Busch – möglichst abgelegen – im Okavango Delta auf einem Mekoro den Hippos zuhören!

 

Weitere Informationen unter www.african-escapes.de

Das Interview führten wir im Mai 2020