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Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tiefgreifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. Dieses Mal sprechen wir mit Annika Friedrich, Inhaberin von Sawubona Afrika.

Daniela Friedrich

Liebe Frau Friedrich, können Sie kurz erzählen, was Sawubona Afrika ausmacht?

Sawubona Afrika ist ein Spezialreiseveranstalter für das südliche und östliche Afrika. Wir planen Selbstfahrerreisen bis hin zu privat geführten Flugsafaris. Wir legen besonderen Wert auf kleine und hochwertige Unterkünfte. Gerne verfeinern wir die Reisen unserer Kunden mit bereits im Voraus gebuchten Aktivitäten, wie z.B. Reitsafaris, Jazz-Abende in Kapstadt oder auch Hochzeiten im Busch. Wir lieben Afrika und lassen unsere Leidenschaft in die Reisen unserer Kunden fließen. Bei uns ist jede Reise maßgeschneidert.

Woher kommt Ihre Liebe zu Afrika? 

Das war ein Zufall! Nach einem Studium im Tourismusbereich war ich noch offen für alles. Zufälligerweise suchte ein Spezialreiseveranstalter für das südliche und östliche Afrika neue Mitarbeiter. Ich wusste wo Kapstadt und der Krüger Park sind und, dass ich in meinem Leben auch einmal auf Safari möchte, aber von solchen Ländern wie Botswana, Sambia und Tansania hörte ich quasi das erste Mal. Kaum hatte ich meine Stelle angetreten, wurde ich schon auf meine erste Dienstreise nach Südafrika geschickt. Vom Flugzeug ins Auto und direkt in den Busch. Aber bereits mein erster Schritt auf afrikanischem Boden, der erste Duft in meiner Nase, der erste Blick in den Busch sagte mir, dass ich angekommen war. Heute ist es für mich jedes Mal, als ob ich nach Hause komme. 


Was macht für Sie Reisen nach Afrika aus?

Es ist die einzigartige Mischung aus Tieren, Landschaft und Menschen, die wir auf keinem anderen Kontinent auf dieser Welt finden. Für mich darf keine Reise nach Afrika ohne Tiere sein. Ich muss wenigstens einmal „vorbei geschaut“ haben. Der Busch und die wilden Tiere holen mich jedes Mal in die Realität zurück und zeigen mir, dass es auch langsamer und ruhiger geht. Ich bin immer wieder fasziniert, dass man die Stille im Busch hören kann. Aber wie gesagt, auch die Menschen und die Natur lassen mich nicht los. Wir haben so viele einzigartige Landschaften, wie das Okavango Delta, die Wüsten und nicht zu vergessen der Kontrast der Landschaften, die teilweise so nah beieinander liegen. Die Lebensweise der Menschen in Afrika führt mir immer wieder die Reizüberflutung – und den großen Konsumüberfluss hier in Europa vor Augen. Auf Reisen beschränkt man sich auf die Dinge im Koffer. Auf einmal geht es mit so wenig und zuhause meint man so viel zu brauchen. Viele meinen, dass wir den Menschen in Afrika helfen müssen den Weg in die Moderne zu finden. Wir wollen das auch sie unseren Lebensstandard haben. Aber wollen das die Menschen in Afrika wirklich? Ich bewundere das stolze und einfache Leben der Menschen in Afrika. Ich glaube, dass es sich mit solch einer Lebensweise viel besser auf das Wesentliche und Wichtige im Leben konzentrieren lässt. Ich frage mich oft, wie sich unter anderem die Völker in Afrika ohne den europäischen Einfluss entwickelt hätten. Man muss bedenken, dass z.B. Simbabwe bereits vor 2.000 Jahren Handel mit China betrieben hat! 


 

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Lage?

Leider wie allen in der Tourismusbranche. Man ist geschockt, verzweifelt und wacht jeden morgen wieder im selben Albtraum auf. Es ist erschreckend, dass der Tourismus von heute auf morgen komplett zusammengebrochen ist. Man hat jahrelang sein Unternehmen mit viel Herzblut aufgebaut und nun wurde einem der geliebte Alltag von einem auf den anderen Tag genommen. 


Vor welche Probleme hat der Coronavirus Ihr Unternehmen konkret gestellt?

Uns wurde von heute auf morgen die Einnahmequelle genommen. In der aktuellen Situation arbeiten wir momentan täglich ein ums andere Mal für umsonst. Wie in allen anderen Betrieben laufen die monatlichen Kosten aber weiter. Natürlich versucht man diese zu minimieren, aber das funktioniert nur bis zu einem bestimmten Punkt. Leider können wir unser Geschäft auch nicht einfach schließen, um z. B. so etwas wie Stromkosten einzusparen. Wir müssen und wollen auch für unsere Kunden da sein. Laut Gesetz sind wir dazu verpflichtet, die nicht durchführbaren Reisen zu stornieren und dem Kunden innerhalb von 14 Tagen den kompletten Reisepreis zu erstatten. Fluggesellschaften zahlen zur Zeit nicht zurück (obwohl sie innerhalb von 7 Tagen dazu verpflichtet sind), Gelder die nach Afrika geflossen sind, kommen auch nicht zurück, weil damit auch schon wiederum Gehälter etc. bezahlt wurden. Wenn wir den Kunden 100 % zurück bezahlen müssen und selbst nichts zurück bekommen, zahlen wir sogar mehr als die Reise gekostet hat. Das hält kein Unternehmen lange durch. Zudem kommt noch hinzu, dass uns niemand unseren Arbeitslohn zugesteht. Wir haben bereits viel Zeit in die hochwertigen und maßgeschneiderten Reisen unserer Kunden gesteckt. Eine 100 % Rückerstattung bedeutet, wir haben das letzte Jahr umsonst gearbeitet und müssen nun noch mal umsonst arbeiten. Wir kleinen Unternehmen sollen die Kosten der Krise selbst tragen.

Welche Lösungen brauchen Sie hierfür?

Wenn der Staat uns nicht durch eine verbindliche Gutscheinlösung unterstützen will, muss er eine Kostenübernahme von mindestens 20 % jeder abgesagten, bzw. stornierten Reise zusagen. Das entspricht ungefähr der Arbeitsleistung, die bereits stattgefunden hat. Zudem muss der Staat die bereits bezahlten Kosten für die Flugtickets bei Airlines übernehmen, die nicht zurückzahlen oder bereits insolvent sind. In Südafrika haben leider bereits drei Airlines (SAA, SA Express, Comair) Insolvenz angemeldet. Eine vierte kommt mit Air Mauritius hinzu. Grundsätzlich hätte sich die Reisebranche jedoch allgemein mehr Unterstützung und vor allem schnellere Hilfe gewünscht. Wir werden seit Wochen hingehalten und die allgemeine Reisewarnung für die ganze Welt trägt nichts Gutes dazu bei. Es bedarf einer differenzierteren Reisewarnung, die sich auf die jeweiligen Länder bezieht. Viele Länder sind hinsichtlich der Gutscheinlösung einen nationalen Weg gegangen und haben diesen einfach eingeführt. Eine kombinierte Lösung wäre z.B. auch den Reisenden vor die Wahl zu stellen. Bezahlen Sie für die bereits geleistete Arbeit oder nehmen Sie einen Reisegutschein an, bzw. verschieben Sie Ihre Reise. Welche andere Branche wird in Deutschland dazu gezwungen umsonst zu arbeiten?

Sehen Sie in der Spezialisierung Ihres Unternehmens aktuell dennoch gerade als eine Stärke an?

Kurzfristig gesehen nicht. Breiter gefächerte Reiseveranstalter, die auch Europa anbieten, werden von einer schnelleren Wiederaufnahme des Verkaufs von Reisen profitieren. Wir Fernreisen-Veranstalter werden sicherlich noch einige Zeit länger warten müssen. Momentan wächst die Idee in der Branche, dass wir alle versuchen sollen Stammkunden damit zu halten, dass wir auch andere Zielgebiete verkaufen und so wenigstens die eine und andere Einnahme erzielen. Natürlich benötigen wir mehr als dringend Einnahmen, jedoch stellt sich mir die Frage, ob ich auf lange Sicht damit nicht auch meinem Namen, und wofür ich als Spezialreiseveranstalter stehe, schade. Ein Hauptverkaufsargument ist ja unsere Spezialisierung. Auf einmal kann ich doch alles verkaufen und weiß über alles Bescheid? Auf lange Sicht denke ich, dass gerade dieser Punkt immer mehr und mehr uns stärken könnte. Wir müssen uns damit abfinden, dass Massentourismus keine Zukunft hat. Wenn Corona nicht mehr alltäglich präsent sein wird, wird wieder das Klimathema Fahrt gewinnen. Ich hoffe doch sehr, dass die Menschen sensibler werden und noch mehr Fachwissen bei Ihrer Reiseplanung wünschen.

Auch in Afrika ist die Not gerade groß und das nicht unmittelbar durch den Virus, sondern vor allem durch den Stillstand im Tourismus. Welche Folgen hat die aktuelle Vernichtung der Reisebranche für Afrika?

Je nach Besiedelungsdichte ist es ganz unterschiedlich, wie viele Menschen von einem einzigen Arbeitsplatz abhängig sind. Aufgrund der Abgeschiedenheit in Afrika hängen hier ganze Dörfer von einem einzigen Camp mit nur zehn Zimmern ab. In Europa versorgt ein Arbeitsplatz z.B. drei weitere Menschen. In Afrika kann es das zehnfache oder sogar mehr sein. Die größte Not ist sicherlich der Hunger. Die Versorgung der Menschen mit den grundlegendsten Dingen, wie Nahrung, Wasser und Hygiene. Der Tourismussektor in Afrika wandelt sich gerade in ein Hilfsprogramm um. Ganz viele Unterkünfte sammeln für die Einheimischen. Restaurants, die eigentlich geschlossen sind, kochen für die Armen. Die kaum vorhandenen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten machen aber die Lock Downs gerade deshalb so wichtig. Zudem kommen noch die wesentlich instabileren Wirtschaftsverhältnisse hinzu, die schnellere Insolvenzen und kaum Unterstützungsmöglichkeiten durch den Staat zur Folge haben. Ganz am Anfang der Corona-Zeit habe ich mit meinen Kindern darüber gescherzt, was die Tiere jetzt wohl so alle ganz alleine machen. Wundern sie sich, wo die vielen Menschen und Autos geblieben sind? Mittlerweile machen mir diese Gedanken Angst. Durch den Tourismus haben wir sehr viel den Naturschutz in Afrika unterstützen können. Diese Gelder fließen nun nicht mehr. Wer bezahlt nun diesen riesigen Apparat, der die letzten Jahre so sehr gegen Wilderei gekämpft hat? Die Wahrheit ist: niemand! Die Ranger, Naturschützer, Schutzprogramme etc. können nicht bezahlt werden. Oft können Kunden nicht verstehen, warum viele Camps so sehr teuer sind. Gerade diese Camps sind es nun, die Ihre umliegenden Dörfer unterstützen, Ihre Ranger weiter die Gebiete befahren lassen, um Wilderei zu verhindern.

Wie, denken Sie, wird sich und muss sich das Reisen in Zukunft verändern?

Das große Thema vor der Corona-Krise war der Klimaschutz. Man lebte die Tage vor Corona mit den Nachrichten es sei 5 vor 12. Wir müssen unbedingt etwas tun. Es ist schon merkwürdig, dass wir auf einmal so viel tun. Als hätte jemand für uns die Notbremse gezogen und gesagt: So, wenn Ihr es nicht allein hinbekommt, dann müssen wir euch eben ausbremsen. Auch wenn die Nachrichten über den erzielten Klimaschutz dieser Tage immer noch konträr sind, finde ich die Bilder aus aller Welt doch sehr erstaunlich. Das blaue, lebensreiche Wasser in den Lagunen von Venedig, die Tiere, die in die Städte kommen. Ich hoffe sehr, dass wir etwas daraus lernen und sich dieser Lerneffekt auf den Tourismus auswirkt. Unsere Lernphase wird auch sicherlich noch einige Zeit anhalten und wir werden uns hoffentlich daran gewöhnen, wie es ist, wenn wir Personenmäßig nur begrenzt in einem Restaurant sitzen dürfen oder das Hotel nicht völlig ausgelastet ist. Natürlich wird das zur Folge haben, dass das Reisen teurer wird. Aber das wäre in der Tat ein positiver Effekt Coronas. Ich bin schon lange der Meinung, dass Touristenzahlen grundsätzlich begrenzt werden sollten, um die Natur zu schützen. Ein anderer Aspekt könnte sein, dass die Menschen auch auf Reisen weniger Stationen wählen und länger an einem Ort verweilen. 


Warum wird Afrika als Reisedestination in diesem „The new normal“ vielleicht sogar als Gewinner herausgehen?

Ich denke, dass Afrika vor allem mit seinen Weiten und mit den kleinen Unterkünften punkten kann. Das Thema ist und wird es, wie gesagt, noch lange bleiben: Abstand halten! Natürlich bleiben die Flüge, die wir nicht weg reden können, um erst einmal nach Afrika zu kommen. Dazu gibt es jedoch auch neue Aussagen, dass die Flugzeuge das sicherste Reisemittel sind, da diese die besten Filter eingebaut haben. Aber natürlich auch hier weiterhin unter dem Aspekt, das Abstand gehalten wird. Sind wir erst einmal angekommen, kann man wunderbar Großstädte meiden, wenn man möchte. Ab in den Busch, unterwegs im Mietwagen, mit einem privaten Guide im eigenen Reisefahrzeug oder auch Kleinflugzeug. Mehr Abstand geht auf Reisen nicht. Vor allem hoffe ich auch, dass die Corona-Zeit die Menschen entschleunigt hat und wir nun mehr darauf achten, dass sehr oft „weniger mehr ist“. Man muss auf Safari nicht ständig das Camp und den National Park wechseln. Wir sollten dazu übergehen auch einmal eine Woche in einem Camp zu genießen. Auch das würde bereits mehr Abstand bedeuten. 


Wenn Sie sich gerade nach Afrika träumen – was ist Ihr ganz persönlicher Sehnsuchtsort?

Ganz eindeutig der Busch! Nicht unbedingt ein bestimmtes Land. Sondern einfach nur der Ort an den ich mich denke, wenn ich Sehnsucht nach Afrika habe. Da wir uns bei Sawubona Afrika speziell mit den Safariregionen befassen, ist es hier natürlich für mich auch der Busch. Einfach bei den Tieren sein und die Ruhe genießen. Irgendwo sitzen, über eine Savanne schauen und sich von der reinen Natur inspirieren lassen. Besonders im Busch findet man zu sich selbst und man lernt die einfachen Dingen wieder zu schätzen. Ich denke, dass ist auch der Grund, warum ich solch eine Leidenschaft für diese Gebiete Afrikas empfinde. 


Mehr Informationen unter sawubona-afrika.com

Das Interview führten wir Ende Mai 2020