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Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tief greifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. In ersten Teil unseres Wein-Spezials zur aktuellen Lage in Südafrika sprechen wir Lukas Jetter, General Manager bei Capreo.

Lukas Jetter

Südafrika erlebt seit Ende März einen sehr strickten Lockdown, der auch vor der großartigen Weinwirtschaft des Landes nicht halt gemacht hat. Können Sie kurz umreißen, welche Folgen das Kaufverbot von Alkohol für die Industrie hatte?

Der Weinverkauf im Inland ist ein wichtiger Geschäftszweig für die Weingüter am Kap, der auch von den Gästen im Tasting Room lebt. Aufgrund des Lockdowns dürfen die Weingüter nicht mehr für Besucher öffnen und keinen Wein an Händler und Gastronomen verkaufen, das heißt dass diese wesentlichen Einkommensquellen komplett weggebrochen sind. Um die Verluste auszugleichen, haben die Weingüter ihre Weine zunächst online verkauft, doch auch das ist momentan nicht möglich – die Weinhersteller am Kap sind somit doppelt bestraft. Die einzige Einnahmequelle, die den Weingütern oftmals bleibt, ist der Export von Wein. Ein Umstand, der vor allem für viele kleine und familiengeführte Betriebe existenzbedrohend ist.

Rickety Bridge Winery, Franschhoek

Warum wurde der Verkauf von Alkohol verboten?

Offizielle Stellen begründen das Alkoholverbot mit dem Umstand, dass es in Südafrika leider immer wieder zu Alkoholmissbrauch kommt. Eine Folge davon ist eine höhere Anzahl an stationären Aufenthalten in den Krankenhäusern. Deshalb soll dieser drastische Schritt des Alkoholverbots dazu beitragen, diese Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, um die Betten für COVID-19-Patienten freizuhalten und die Krankenhäuser zu entlasten. Außerdem soll mit dem Verbot Menschenansammlungen vorgebeugt werden.

Südafrika teilt den Lockdown in 5 Level ein, wobei 5 auch das strikteste ist. Lange Zeit bedeutete dies auch, dass Weine nicht exportiert werden konnten. Wie sehr hat dies Capreo betroffen?

Dank kontinuierlicher Planung und des guten Timings konnten die von CAPREO georderten Container problemlos verschifft werden, einzig die COVID-19-Regelungen an den Häfen haben zu Verzögerungen geführt. Dieses Glück hatten jedoch nicht alle Händler. Aber das Exportverbot war ein schwerer Schlag, der die Weinindustrie hart getroffen hat. Da wir auch während des Verbots in einem sehr engen Kontakt zu den Weingütern standen, konnten wir gemeinsam weitere Pläne auf den Weg bringen. Dieses gab den Weingütern Planungssicherheit, sodass sie bewerten konnten, welches Bestellvolumen nach dem Verbot auf Sie zukommen würde. Aktuell bereiten wir die größte Bestellung an Weinen in unserer Firmengeschichte vor. Bis Weihnachten möchten wir noch 10 Container importieren. Hierbei werden wir auch Weine einkaufen, die erst 2021 verkauft werden – wir sind in der glücklichen Lage uns die zusätzlichen Lagerkosten leisten zu können und sind uns sicher mit dem Vorziehen von Bestellungen jetzt bei den Weingütern für Cash-Flow und Einkommen zu sorgen und damit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung zu leisten.

Delaire Graff Estate, Stellenbosch

Zwar scheint das Western Cape, das die meisten Weinanbaugebiete des Landes beheimatet, das Virus mittlerweile gut in den Griff zu bekommen. Andere Teile des Landes hingegen verzeichnen steigende Fallzahlen. Was dazu führte, dass trotz Lockerungen, die auch den Konsum von Alkohol erlaubten, dieser nun erneut verboten wurde. Was bedeutet dies nun endgültig für die Weinindustrie – aber auch für die lebendige, gastronomische Szene des Landes?

Die Weingüter leben von dem Besuch der lokalen und internationalen Touristen und dem Weinverkauf an die Besucher und der hiesigen Gastronomie. Infolge der Pandemie dürfen die Touristen nicht einreisen und mit dem Alkoholverbot wird den Weingütern zusätzlich die oft wichtigste Einnahmequelle genommen, die Weinindustrie ist daher momentan noch abhängiger von den Exporten, die ihnen als einzige Einnahmequelle geblieben ist. Mehrere zehntausend Menschen, die in der Weinindustrie beschäftigt sind, könnten ihren Job verlieren. Die Gastronomie ist ebenfalls stark betroffen, denn 30% der Restaurants haben seit Beginn des Lockdowns geschlossen und 400.000 Arbeitsplätze sind bereits weggefallen. All das kann nicht nur zu existenziellen Problemen einzelner Weingüter führen, sondern stellt auch eine Gefahr für die gesamte Industrie, allen voran der Gastronomie dar. Wenn sich in absehbarer Zeit nichts an der aktuellen Situation ändern wird, wird sich sowohl die gastronomische Szene als auch die Landschaft der Weingüter, wie wir sie kennen und lieben leider verändern. Dieses würde uns auch angesichts der positiven Entwicklung in den letzten Jahren sehr treffen.

Cavalli Estate, Sommerset West – Wine Tasting

Was können wir tun, um den Winzern vor Ort zu helfen?

Vor allem können wir helfen, indem wir südafrikanische Weine kaufen, denn damit sichern wir dem Weingut Absatz und tragen dazu bei, mit dem Exportgeschäft die Verluste der Weingüter gering zu halten. Nur durch den Verkauf von Weinen in Europa werden Händler wie wir bei den Weingütern neu bestellen und so den Weingütern weiteren Absatz sichern. Da wir uns bei CAPREO in enger Abstimmung mit unseren Weingütern befinden, können wir unseren Kunden kontinuierlich attraktive Angebote unterbreiten und den Weingütern somit auch regelmäßige Abnahmemengen garantieren.

Das Land lebt – neben den wunderschönen, großen Weingütern – auch von seiner Vielzahl an kleinen Winzern, die allerdings meist zu kleine Mengen produzieren, um diese exportieren zu können. Welche Chancen haben diese im Moment?

Die kleinen Weingüter trifft es besonders hart, da sie über kein breites Vertriebsnetz verfügen. Hier zählt jede verkaufte Flasche Wein, denn jede von ihnen hilft dem Weingut direkt. Jene Weingüter, die im Moment über keine Exportmöglichkeit verfügen, können nur lokale Vorbestellungen die aktuelle Situation mindern, sodass dieses nach dem Alkoholverbot die Bestellungen aussenden können und somit evtl. die aktuellen Verluste kompensieren können.

Was fasziniert Sie persönlich so an der Weinwelt Südafrikas?

Südafrika ist einfach ein atemberaubendes Land, die spektakuläre Natur raubt einem jedes Mal den Atem, die Menschen sind überaus herzlich und gastfreundlich. Das Essen ist fantastisch und die großartigen Weine natürlich auch. Man schmeckt mit jedem Schluck, dass hier Menschen mit großer Leidenschaft qualitativ sehr gute Weine herstellen. Das finde ich immer wieder aufs Neue faszinierend.

Spier Wines, Stellenbosch

Was macht diese im Vergleich zu anderen Anbaugebieten so einmalig?

Diese einzigartige Landschaft mit ihrer einmaligen Flora und Fauna, die für das Kap so typisch ist, die verschiedenen und die alten Böden prägen den einzigartigen, unverwechselbaren Charakter der Weine. Die geografisch und klimatisch völlig unterschiedlichen Regionen am Kap ermöglichen ebenso vielfältige Aromen.

Geben Sie uns doch bitte einen kurzen Überblick: Für wie viele Weingüter steht Capreo und warum haben Sie sich gerade auf die Weine des Kaps spezialisiert?

CAPREO ist im Jahr 2007 aus einem Logistikprojekt heraus entstanden – und vor allem aus dem Wunsch, die südafrikanischen Premiumweine nach Europa zu bringen, um die schönen Erinnerungen an eine einmalige Reise länger wachzuhalten und wieder neu zu erleben. Wir geben den Touristen, die die Kapregion und ihre Weingüter besucht haben, damit die Möglichkeit, diese einmaligen Weine auch nach ihrer Reise zuhause genießen zu können. Momentan führen wir mehr als 50 Weingüter aus Stellenbosch, Constantia, Franschhoek und Paarl, die wir mit 500 Weinen in unserem Portfolio vertreten.

Grand Provence Heritage Wine Estate, Franschhoek

Südafrikas Weingüter haben sich sehr besonders aufgestellt, indem die meisten Weingüter auch zusätzliche Mehrwerte und Freizeitattraktionen wie Hotels, Restaurants, Tastings, Foodmärkte etc. bieten. Dadurch schaffen sie es, dass viele „Locals“ und auch Touristen die Weingüter regelmäßig besuchen. Auch diese Veranstaltungen finden aktuell nicht statt. Wie arbeiten Sie in der Krise mit Ihren Partner-Weingütern zusammen?

Wir pflegen, nicht zuletzt über unsere Mitarbeiter vor Ort, einen sehr intensiven Kontakt mit unseren Weingütern in dieser noch nie dagewesen und hoffentlich auch in der Geschichte einmalig bleibenden Ausnahmesituation. So organisieren wir mit unseren Weingütern gemeinsame Kampagnen, beispielsweise auf unseren Social Media-Kanälen. Außerdem organisieren wir virtuelle Tastings sowohl mit unserem Verkaufsteam als auch mit unseren Kunden. Darüber hinaus veranstalten wir besondere Spenden-Aktionen, mit denen wir etwa das Pebbles Project in Stellenbosch oder – ganz aktuell – den Eat Out Restaurant Relief Fund mit Spendengeldern unterstützen. Hierbei wird übrigens ein Teil jeder Weinbestellung in eine direkte Spende überführt. (Anm. d. R.: Auch wir unterstützen diese Aktion. Finden Sie bitte Ihren Vorteilscode am Ende des Interviews.)

Cavalli Estate, Sommerset West

Der soziale Aspekt ist in Südafrika nicht zu unterschätzen. Viele Weingüter unterstützen, neben den Mitarbeiter-Familien, auch noch zusätzliche Hilfsprojekte. Ist dies aktuell überhaupt möglich?

Mehr noch: Wir erleben sogar, dass viele der Weingüter ihr Engagement noch weiter ausdehnen, um sozial benachteiligte Familien vor allem in dieser sehr schwierigen und ungewissen Zeit zu unterstützen. Denn nur mit der lokalen Bevölkerung können die Weingüter langfristig überleben.

Wie wichtig ist Zusammenhalt und das Eingehen von Partnerschaften im Moment?

Die Partnerschaft mit unseren Weingütern ist generell sehr eng, aber in der Krise rücken wir natürlich noch näher zusammen. Gerade jetzt ist der kontinuierliche Austausch sehr wichtig. Dieser war durch die langjähre Beziehung zu den Weingütern zwar schon vorhanden, wurde aber nun noch einmal intensiviert. Nur mit aktuellen Updates, wichtigen Informationen zu aktuellen Entwicklungen und der engen Zusammenarbeit hinsichtlich Portfolio, Aktionen und Kampagnen können wir den Verkauf aufrechterhalten.

Gibt es aktuell eine Timeline, mit der Sie gedanklich arbeiten, bis wann sich die Lage in Südafrika für die Weinindustrie wieder normalisiert?

Das ist sehr schwer zu sagen und hängt auch vor allem von den Entwicklungen hinsichtlich des Schutzes vor Corona ab. Wir wünschen uns natürlich, dass dieses Jahr noch Touristen aus Europa, darunter auch wir als Geschäftspartner, nach Südafrika reisen können. Die aktuellen Entwicklungen lassen aber leider wohl nicht darauf hoffen.

Lassen Sie uns abschließend noch über die Schönheit des Landes und den Genuss sprechen. Welches ist Ihre persönliche Lieblingsrebsorte?

Chenin Blanc und Pinotage – sie sind einfach typisch für Südafrika.

Spier Wines, Stellenbosch

Bei all der Vielfalt haben Sie dennoch einen Lieblingswein?

Es gibt so viele tolle Weine, da ist es fast unmöglich, sich für einen zu entscheiden. Daher habe ich viele Lieblingsweine, im Frühling trinke ich gerne einen charaktervollen Chardonnay, im Sommer einen spritzigen Sauvignon Blanc oder Rosé, im Herbst darf es ein fruchtiger Pinotage und im Winter ein kraftvoller und komplexer Cabernet Sauvignon sein.

Wie sieht für Sie der perfekte Tag in den südafrikanischen Winelands aus?

Diesen Tag würde ich in Stellenbosch, dem Herzen der Winelands, verbringen. Angefangen mit einem schönen Frühstück und einem Spaziergang bei Spier, wäre für einen Pinotage-Fan wie mich ein Halt bei Lanzerac ein Muss, denn das Weingut füllte als erstes überhaupt diesen Wein ab. Anschließend würde ich es mir bei Peter Falke auf der wunderbaren Terrasse gemütlich machen, die Seele baumeln lassen und natürlich ein schönes Glas Sauvignon Blanc genießen.

 Peter Falke Wines, Stellenbosch. Foto: Claire Gunn

Das Interview führten wir Anfang August 2020
Weitere Informationen unter www.capreo.com

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