African Mag Logo
African Mag Logo Badge

Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tiefgreifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. Dieses Mal sprechen wir mit Gerard Beaton, Regional Operations Director bei Asilia Africa.

Was für ein Jahr. Wie geht Asilia Africa mit den Herausforderungen, die 2020 an uns stellt, um?

Wir haben die meisten unserer Camps geschlossen, 16 von 20 um genau zu sein. Unsere Mitarbeiter nehmen aktuell ihren Jahresurlaub, was in dieser Jahreszeit die üblich ist. In den Camps, die geöffnet sind, haben wir vereinzelt lokale Gäste aus dem jeweiligen Land. Und unsere Mitarbeiter in den Büros arbeiten größtenteils von zu Hause aus und sind weiterhin mit allen Änderungen an Buchungen und neuen Buchungen für die Zukunft beschäftigt.

      Asilia The Highlands, Tansania

 

Das klingt nach einer wahren Challenge. Was ist momentan am schwierigsten zu handeln?

Zum einen nicht zu wissen, wann und in welcher Form internationale Reisen nach Ostafrika wieder aufgenommen werden können. Zum anderen haben wir beträchtliche Fixkosten in den Naturschutzgebieten, die wir betreiben – und in denen wir Tausende von Massai-Familien unterstützen. Der Mangel an zukünftigen Reisen, die diese Zahlungen aufrechterhalten, wird eine besonders große Herausforderung sein – und ist es bereits.

Sie haben es eben erwähnt: Die Unterstützung der Gemeinden vor Ort ist ein wichtiger Ansatz, den Asilia Africa als Unternehmen mit antreibt. Aber nicht nur das, auch im Natur- und Tierschutz sind Sie aktiv. Wie sieht diese Arbeit im Moment aus?

Asilia hat ca. 900 Mitarbeiter und 20 Camps. Wir unterstützen sechs Projekte in Tansania, fünf in Kenia und mit Lionscapes eines, das in ganz Afrika tätig ist. Unser Jahresbudget für all diese Projekte liegt normalerweise bei ca. 250.000 bis 300.000 USD. Der Maa Trust in Kenia ist nun während der Pandemie besonders aktiv und verteilt Testkits und Lebensmittelpakete. Gerade dabei haben unsere Mitarbeiter sehr geholfen.

Maa Trust, Tansania. Fotos: Niels van Gijn

Wie lange können Sie diese Unterstützung noch gewährleisten?

Seit Juni ist es eine ernsthafte Herausforderung, da seit Monaten keine Einnahmen erwirtschaftet werden konnten. Wir haben Online-Aufrufe lanciert, wie den der Naboisho Conservancy. Dies hat uns teils geholfen.

Doch es sind leider nicht nur die Menschen, die unter der aktuellen Situation leiden. Was bedeutet diese Situation für die Tierwelt?

Die Bedrohung ist enorm. Im gleichen Maße, wie die Finanzierung vor Ort aufgrund des fehlenden Tourismus zurückgeht, wird die Gefahr der Wilderei zunehmen. Die Menschen haben schlicht weg Hunger. Und wenn wir nicht weiterhin in der Lage sind, die Zahlungen für das Land in den Naturschutzgebieten aufrechtzuerhalten, können die Landbesitzer auf alternative Nutzungen zurückgreifen. Dabei denke an Landwirtschaft, Viehzucht, Holzkohle – was wiederum Auswirkungen auf den Lebensraum der Wildtiere haben wird.

 

Was brauchen Sie von den Ländern und ihren Regierungen?

Eine konkrete Anerkennung des Wertes dieser Schutzgebiete – über die Nationalparks & Reservate hinaus, Appelle an die Geldgeber für die nächsten 12 bis 14 Monate, die die kritische Phase vor der Wiederherstellung des internationalen Reiseverkehrs sein werden.

Gibt es derzeit Unterschiede zwischen den Situationen in den einzelnen Ländern und damit auch für einzelne Projekte?

Kenia und Tansania stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen, einem völligen Stillstand des internationalen Reiseverkehrs und als Folge davon einem Einbruch des Tourismus.

Tansania hat seinerseits die Landesgrenzen bereits wieder geöffnet, Kenia zieht nun zum ersten August nach. Verändert diese Öffnung bereits etwas an der Situation bzw. was brauchen Sie noch?

Es ist sicherlich ein sehr positiver Schritt für unsere internationalen Reisenden. In der Zwischenzeit werden wir durch den heimischen Markt gut unterstützt. Die jährliche Migration der Gnus kommt gerade erst in der Maasai Mara an. Für unsere Inlandsreisenden ist dies eine einzigartige Gelegenheit, dieses erstaunliche Schauspiel nun einmal zu erschwinglichen Preisen zu erleben. Als Unternehmen müssen wir die nächsten zwölf Monate noch überstehen und nicht nur unsere Geschäfte über Wasser halten, sondern auch sicherstellen, dass unsere Verpflichtungen gegenüber den Landbesitzern unserer Schutzgebiete und Partnern eingehalten werden. Jeder einzelne Gast, der in unsere Camps reist, hat einen positiven Einfluss auf das Gesamtbild des Naturschutzes.

Twende Porini, Foto: Patrick Meinhardt

 

Wie bereitet sich Asilia Africa auf diese neue Zeit des Reisens vor?

Gemeinsam mit Kollegen aus der Branche haben wir eine umfassende Reihe von Covid-Protokollen entwickelt. Alle unsere Mitarbeiter wurden bereits damit geschult, so dass auch alle Anforderungen der Regierung erfüllt wurden. In jedem unserer Camps und in jedem Büro gibt es einen Covid-Beauftragten, der sich über die stetige Entwicklung der Informationen auf dem Laufenden hält und dafür sorgt, dass unsere Protokolle gegebenenfalls aktualisiert werden.

Asilia The Highlands, Tansania

 

Verraten Sie uns Ihren persönlichen Sehnsuchtsort?

Ich habe das Glück, in der Mara North Conservancy zu leben und lebe das Leben, das ich seit 45 Jahren lebe. Ich spaziere also täglich inmitten der Tierwelt. Ich weiß dieses Glück, das wir als Familie haben – gerade jetzt in dieser globalen Krise – hier leben zu dürfen zu schätzen!

Acacia House, Kenia – Game Drive. Foto: Asilia

Weitere Informationen unter asiliaafrica.com

Das Interview führten wir im Juli 2020