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Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tief greifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. Dieses Mal sprechen wir mit dem Power-Duo Hanna Kleber, Agenturleiterin und Afrika-Expertin, und Ellen Spielberger von Bush Legends.

Liebe Frau Kleber (HK), in der Regel helfen Sie uns Journalisten dabei, wundervolle Geschichten recherchieren zu können – dieses Mal liefern Sie die Geschichte selbst, in dem Sie die Taskforce VOICE4AFRICA ins Leben gerufen haben. Was genau verbirgt sich dahinter?

(HK) Als auf Tourismus spezialisierte Kommunikationsagentur mit vielen afrikanischen Kunden des südlichen, westlichen und östlichen Afrikas möchten wir auf die prekäre Situation für den Afrika-Tourismus – nicht nur infolge der Corona Pandemie – aufmerksam machen. Die erneute Verlängerung der pauschalen Reisewarnung für 160 Länder außerhalb der EU bis Ende August hat schwere Folgen für unzählige Menschen in Afrika und auch hierzulande, die direkt oder indirekt vom Tourismus leben. Genau aus diesem Grund haben wir die Taskforce VOICE4AFRICA gegründet, die mittlerweile von vielen Spezialreiseveranstaltern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Reisen nach Afrika verkaufen, tatkräftig unterstützt wird. Mit VOICE4AFRICA möchten wir die Stimme für Afrika erheben, auf die aktuelle Situation des Afrika-Tourismus aufmerksam machen, aber auch langfristig Vertrauen in das vielfältige Reiseangebot des schwarzen Kontinents schaffen.

Worauf genau möchte diese geeinte „Stimme“ aufmerksam machen?

(HK) Der World Travel & Tourism Council schätzt, dass durch COVID-19 allein in Afrika 7,9 Millionen Jobs verloren gehen. Laut Statistiken versorgt einer dieser Jobs zehn weitere Familienmitglieder – insgesamt 79 Millionen Menschen. Ein Sozialsystem, das diese Familien auffängt, gibt es in den wenigsten der 54 afrikanischen Staaten. Eine pauschalisierte Reisewarnung bedroht Existenzen und fördert Armut, insbesondere in Afrika. Und hierzu wollen wir gehört werden. 


Foto: Singita Explore

 

Sie haben einen offenen Brief an Außenminister Heiko Maas geschrieben, in dem Sie ihn auf die schweren Folgen der weiterbestehenden Reisewarnung für 160 Reiseländer außerhalb der EU – insbesondere für den afrikanischen Kontinent – aufmerksam machen. Was befürchten Sie und haben Sie eine Antwort von ihm erhalten? 

(HK) Ja, wir haben ein Schreiben an unseren Innenminister und auch an das EU-Präsidium geschickt. Uns war wichtig, auf die Dringlichkeit hinzuweisen. In Deutschland wird das Thema Tourismus leider nicht mit der notwendigen Wichtigkeit behandelt. Wir und Afrika brauchen differenzierte Reisehinweise und diese müssen ständig auf die individuellen Situationen der Länder angepasst werden. Das Infektionsgeschehen in Europa ist wesentlich gravierender als in Afrika. Viele der bei Touristen beliebten afrikanischen Destinationen haben bereits belastbare Hygiene- und Sicherheitsprotokolle umgesetzt, um die Gesundheit der Urlauber zu jeder Zeit sicherzustellen.

Afrika leistet außerdem einen wichtigen Beitrag zum Klimawandel. Afrikanische Naturlandschaften haben eine signifikante Bedeutung für das weltweite Klima: Naturschutzgebiete südlich der Sahara mit Wäldern, Steppen, Savannen und Mangroven gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern unserer Erde und müssen langfristig geschützt werden. Minimieren wir die negativen Folgen des Klimawandels, indem wir Naturschutzgebiete bewahren, da de Schutz dieser Gebiete zu 70 bis 100 Prozent aus touristischen Einnahmen gesichert wird, ist es zwingend notwendig, die pauschale Reisewarnung so schnell wie möglich durch individuelle, auf die aktuelle Situation angepasste Reisehinweise zu ersetzen.

Die aktuelle Reisewarnung für Länder außerhalb der EU schert alle über einen Kamm. Das ist nicht verhältnismäßig, schadet der Reisebranche in Deutschland und bedroht die Existenz touristischer Dienstleister in Afrika. Neue Reisebuchungen bleiben aus, für weitere zweieinhalb Monate können Reisen kostenfrei storniert und rückabgewickelt werden. Für viele touristische Dienstleister hierzulande und in Afrika ist das das sichere Aus.

Deshalb haben wir uns an die EU-Kommission und den Innenminister gewandt, um vor den verheerenden Folgen des Reisestillstands nach Afrika zu warnen. Leider ist bisher kein Antwortschreiben eingegangen … 

Uganda

 

Die Fallzahlen in den meisten Reiseländern in Afrika sind deutlich geringer, der Umgang mit dem Virus ist aber vorbildlich und in den meisten Fällen deutlich strikter als bei uns. Warum wird das, Ihrer Meinung nach, hier so wenig kommuniziert?

(HK) Die Fallzahlen in den meisten bekannten Reiseländern sind in der Tat deutlich geringer, und der Umgang mit dem Virus ist vorbildlich und in den meisten Fällen deutlich strikter als bei uns. Leider herrscht immer noch das große Vorurteil gegenüber dem schwarzen Kontinent vor, dass dieses Problem nicht vor Ort gelöst werden kann. Südafrika, Botswana, Namibia, Uganda u.a. haben belastbare Hygiene und Sicherheitsprotokolle umgesetzt und bieten den Touristen auch den erforderlichen Sicherheitsabstand an. Gerade bei einer Safari kann in den Weiten des Landes das beste Social Distancing umgesetzt werden.

VOICE4Africa arbeitet mit Afrika spezialisierten Reiseveranstaltern zusammen. Warum war Ihnen diese geballte Kraft so wichtig? 

(HK) VOICE4Africa hat die wichtigsten Veranstalter für Afrika angesprochen, um hier eine geballte Kraft zu erreichen. Diese Afrika-Spezialisten kennen den Kontinent wie kein anderer, und haben durch ihren persönlichen Kundenkontakt, die größten Chancen, Afrika als Reiseland zu verkaufen. Aber auch Anbieter, DMCs, Hotels, Fluggesellschaften werden eingeladen, hier mitzumachen. Wir wollen den Konsumenten erreichen, der sich mit dem Thema Afrika und Reisen dorthin beschäftigt – und damit aber auch Ängste abbauen. Ebenfalls nehmen wir die Botschaften und Konsulate mit ins Boot, vor allem von den Ländern, die keine eigene touristische Vertretung hier im Land haben.

Foto: Jamala Madikwe, Südafrika

 

Liebe Frau Spielberger, Sie sind mit ihrem Unternehmen Bush Legends Teil des Aufrufs und waren auch in Berlin bei einer Tourismus-Kundgebung persönlich dabei, um ihre Stimme für Afrika zu erheben. Was begeistert Sie an VOICE4AFRICA und wie ist es in Berlin gelaufen? 

Ellen Spielberger (ES): Zu der Frage möchte ich gleich eingangs anmerken, dass ich zuvor niemals auf einer Demo oder Kundgebung war und keineswegs der Typ bin, der sich je auf einer solchen gesehen hätte. Jedoch sehe ich mit der aktuellen Situation keine andere Wahl. Berlin war absolut emotional und ebenso ernüchternd. Emotional deshalb, weil es weh tut, in geballter Form von den finanziellen Nöten und Herausforderungen von Kollegen und Mitbewerbern zu hören. Diese haben all die Jahre mit Pioniergeist und Vision ihre Unternehmen erfolgreich aufgebaut und viel Gutes in unseren Dritte Welt Ländern bewirkt. Sie werden nun völlig unverschuldet durch unsere Politik in den Ruin getrieben. Ernüchternd deshalb, weil unsere Politik ganz offensichtlich den Weg kurzsichtiger Scheinpolitik bevorzugt statt Verbraucherschutz mit Weitblick. Das verschärft die ohnehin dramatische Situation für unsere Reisebranche. Natürlich müssen unsere Politiker derzeit komplexe Entscheidungen in kurzer Zeit treffen. Nichtsdestotrotz ist es nicht nachvollziehbar, dass unsere Bundesregierung auch nach 3 ½ Monaten Pandemie lediglich die Argumente des Verbraucherschutzes in den Vordergrund stellt. Das EU-Pauschalreiserecht war nie auf eine globale langwierige Pandemie ausgerichtet, sondern auf lokale und zeitlich begrenzte Krisen bzw. Krisengebiete. Mit gesundem Menschenverstand müsste längst jedem klar sein, dass dieses Vorgehen alles andere als verbraucherfreundlich ist, denn es richtet gleichzeitig massive Schäden bei den Reisebüros, Reiseveranstaltern und damit auch in unseren Zielländern an. Hierbei werden allein durch unsere Politik sowohl unsere Rücklagen als auch unsere Steuergelder in Milliarden Höhe verbrannt.

Das tatsächliche Schadensausmaß in unseren Zielgebieten ist längst nicht absehbar – und vor allem gibt es dort, wie auch Frau Kleber schon erzählte, kaum staatliche Hilfen. Die dramatischen Folgen für die Bevölkerung, den Natur- und Artenschutz in Afrika und damit den Klimaschutz allein durch das Ausbleiben der Touristen sind längst offensichtlich. Auch wenn unsere Politik es bislang noch nicht anerkennt: Tourismus ist systemrelevant, hier in Deutschland und vor allem in unseren Zielgebieten. Allein in Südafrika sind etwa 25 % der Bevölkerung direkt und indirekt über Familienmitglieder vom Tourismus abhängig. Auch deshalb ist Hunger in unseren Zielgebieten wieder zum Thema Nummer 1 avanciert. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass Nationalparks und Wildreservate zu 70-100 Prozent vom Tourismus finanziert werden und deshalb seit 3 ½ Monaten keine Einnahmen haben. Die Kombination aus Hunger und ausbleibenden Tourismuseinnahmen führt gleichzeitig wieder zu einer verstärkten Wilderei. Hier gilt es nun für uns als verantwortungsbewusste Spezialreiseveranstalter, eine Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft für die wichtigen Themen für unsere Zielgebiete zu erlangen. Von unserer Task Force verspreche ich mir, dass wir mit vereinten Kräften die Aufmerksamkeit unserer Gesellschaft und Politik erreichen. Dadurch möchten wir die Situation in unseren Zielländern möglichst zum Positiven ändern. Zum einen möchten wir die Bedeutung des Tourismus verdeutlichen und damit verbunden auch den nachhaltigen Tourismus fördern. Es heißt nicht umsonst: Teamwork makes the Dreamwork!

Hanna Kleber, Sierra Leone

 

Vor welche Herausforderungen hat die Pandemie und der damit einhergehende Stopp des Reisens Bush Legend gestellt? 

(EK) Wie alle anderen Reiseveranstalter auch, mussten wir über Nacht alle Reisen für März und April 2020 absagen, danach ebenso für Mai, Juni und Juli 2020. Wir können uns insofern glücklich schätzen, als dass wir ein kleiner Spezialveranstalter sind. Daher konnte ich intern über Nacht umstrukturieren und alle Gespräche mit betroffenen Kunden und Reisebüros direkt zur Chefsache erklären. Das war und ist besonders viel Arbeit ohne Umsatz, hat sich jedoch insofern ausgezahlt, dass wir bis heute 85 Prozent der Projekte auf neue Reisedaten verschieben konnten. Dafür sind wir unseren Kunden und Reisebüros sehr dankbar. Allerdings haben die stornierten Projekte auch bei uns massive finanzielle Schäden angerichtet. Es finden keine Umsätze statt und zusätzlich müssen die Reisepreise für die stornierten Reisen aufgrund des EU-Pauschalreiserechts voll an die Kunden ausbezahlt werden. Unabhängig davon, ob wir diese von den Leistungsträgern zurückbekommen oder nicht und egal, ob ein Kunde zuvor bereits 30 Stunden unserer Zeit für die sorgfältige Planung seiner jeweils maßgeschneiderten Reise von uns in Anspruch genommen hat. Es ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar, dass uns als Reisebranche durch behördliche Maßnahmen seit nunmehr 3 ½ Monaten die Geschäftsgrundlage entzogen ist, und wir gleichzeitig über das EU-Pauschalreiserecht als einzige Industrie in unserem Land für eine Pandemie haftbar gemacht werden.

Auch ist mir bis heute nicht klar, ob die Politik die komplexe Thematik unserer Branche nicht versteht oder diese nicht verstehen will. Die Bundesregierung müsste sich als größter Nettozahler in die EU ebenso klar positionieren und ein sofortiges Aussetzen des EU-Pauschalreiserechts umsetzen. So wie es bereits zwölf andere EU-Staaten im nationalen Alleingang entschieden haben, um ihre Verbraucher und Unternehmen zu schützen. Das aktuelle kurzsichtige Vorgehen wird dem Steuerzahler und damit dem Verbraucher, samt seinen Kindern und Kindeskindern teuer zu stehen kommen. Die einzige weitsichtige Lösung wäre, dass der Verbraucher seine Reise lediglich verschieben muss.

Unabhängig davon erkennen wir, dass die Menschen langsam beginnen, wieder Reisen zu planen. Wir durften dankbarerweise auch endlich unsere erste „Nach Corona-Buchung“ entgegennehmen und erhalten auch langsam wieder neue Anfragen. Aktuell sind unsere größten Herausforderungen, dass wir aufgrund der unverhältnismäßigen Vorgehensweise unseres Auswärtigen Amtes keine Planungssicherheit haben und derzeit für außereuropäische Destinationen mit einer globalen Reisewarnung bis 31.08.2020 konfrontiert sind. Diese hat jedoch mit einer herkömmlichen Reisewarnung nichts mehr gemeinsam, wird reiserechtlich jedoch weiterhin als solche bewertet. Abgesehen davon stehen wir mit innovativen Ideen für unsere reisewilligen Kunden in den Startlöchern, um loszulegen, sobald uns dies unter gesetzlichen Vorgaben wieder möglich ist.

Was brauchen die kleinen und mittelständischen Reiseveranstalter hier vor Ort von der Regierung, um diese Zeit zu überstehen?

(EK) Zunächst einmal Planungssicherheit durch differenzierte Reisehinweise für außereuropäische Ziele statt einer globalen Reisewarnung, die völlig unverhältnismäßig ist. Im gleichen Atemzug benötigen wir schnell Überbrückungshilfen. Erstens brauchen wir Liquiditätsunterstützung für die geforderten Rückzahlungen von stornierten Reisen. Zweitens brauchen wir eine Unterstützung bei den Personalkosten, weil Kurzarbeit bei dem anfallenden Mehraufwand bei uns kleinen Veranstaltern nicht umsetzbar ist. Drittens brauchen wir eine Kompensierung für den Margenausfall der nicht stattgefundenen Reisen. 

Camps Bay, Südafrika

 

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal Afrika? War es eine Liebe auf den ersten Blick? 

(HK) Mein erstes Mal in Afrika war im südlichen Afrika und ja, das war Liebe auf den ersten Blick. Vor über 40 Jahren bereiste ich mit meiner Schwester Südafrika und sie traf bei Freunden dort ihren zukünftigen Mann. Die Familie ist dort mittlerweile in der dritten Generation und für mich und meine Familie immer ein Grund, dorthin zu reisen. Durch meinen Schwager habe ich Afrika von seinen besten Seiten erlebt. Der Anfang war durchaus gewöhnungsbedürftig, wie die erste Nacht in einem Zelt ohne Boden zu schlafen und die Geräusche des Busches waren schon sehr fremd. Nach drei Tagen war das alles überstanden und ich liebe Safaris, die Wildnis und die wunderbaren Menschen dort. Ich gehe mehrfach jedes Jahr nach Kapstadt. Die Metropole ist meine zweite Heimat geworden. Viele Reisen in die „Nachbarschaft“ nach Namibia und auch nach Mozambique haben wunderbare Eindrücke hinterlassen. Die letzten Jahre habe ich auch Uganda und Sierra Leone bereist. Ein Treffen mit dem Silberrücken und unseren nächsten Verwandten den Schimpansen bleiben in ewiger Erinnerung. Sierra Leone hat sehr viel Potential, Tourismus zu entwickeln. Fantastische Sandstrände, Inseln mit viel Geschichte und lebenslustige Menschen bleiben im Herzen hängen.

(ES) Natürlich erinnere ich mich noch an meine erste Afrika Reise vor 26 Jahren. Sie führte mich nach Kenia. Ich erinnere mich an den Duft feuchter Erde in der Morgenfrische beim Verlassen des Flugzeuges. Einen Duft, den ich auch heute noch bei meinen Reisen genieße, wenn ich beim Aussteigen afrikanischen Boden betrete und tief einatme. Meine ersten Eindrücke waren jedoch schockierend, denn die Fahrt vom Flughafen Mombasa zum Hotel führte durch Slumviertel mit offensichtlicher Armut, die ich in dem Ausmaß nicht erwartet hatte. Also weit entfernt von Liebe auf den ersten Blick – und dennoch hat mich Afrika von Anfang an fasziniert. Die Vorbereitungen für diese erste Reise legten den Grundstein für meinen beruflichen Werdegang. Seither folgten zahlreiche Reisen in unsere Zielgebiete.

Little Chem Chem, Tansania – Foto: Geoff Mayes

 

Was fasziniert Sie an Afrika – und wie nehmen Sie, als Experten, den Kontinent wahr?

(HK) Für mich ist Afrika ein besonders Juwel, das es zu schützen gilt. Der Kontinent mit seinen 54 Ländern, alle sehr verschieden, hat ein besonderes Potential, sich im globalen Tourismus zu behaupten. Leider fehlt oft das Know How, wie man sich nach außen darstellt, seine Identität findet und an die richtigen Märkte und Zielgruppen kommt. Die Einflüsse aus China, die eher die Ölindustrie fördern, und auch andere Ausbeutungen zuzulassen, kommen als schwerwiegender Negativfaktor dazu. Mit Tourismusentwicklung kann daher eine bessere und langfristige Nachhaltigkeit geschaffen werden, die auch Einkommen, Bildung und Arbeitsplätze schaffen. 

(ES) Beeindruckend sind für mich nach wie vor die herzliche Gastfreundschaft der Menschen, die einzigartige Natur, die unendlichen Weiten und die einmalige Tierwelt. Ich genieße, wenn ein professioneller Guide es durch seine Leidenschaft für seinen Job vermag, die Safari interessant zu gestalten, so dass man selbst nach hunderten Safaris immer wieder Neues dazulernt. Wenn ich dann noch den Luxus habe, das Ambiente eines schönen Zeltcamps oder einer traumhaften Lodge zu genießen und beim klassischen Sundowner in der Wildnis wertvolle Momente bei einem guten Glas Wein und einem schönen Gespräch erlebe, fühle ich mich ‚auf Safari‘.

Nach meiner Wahrnehmung hat es in den letzten 25 Jahren auf jeden Fall viele positive Entwicklungen in unseren Zielländern gegeben, beispielsweise bei der Bildung und daraus resultierendem Selbstbewusstsein. Es werden mehr und mehr leitende Positionen von Einheimischen sehr gut wahrgenommen. Auch fällt mir auf, dass zwischenzeitlich ein direkter Austausch mit jungen Menschen von traditionellen Stämmen möglich ist, weil diese heute vermehrt Englisch sprechen. Diese Tatsache erlaubt interessante Gespräche und ermöglicht damit wertvolle Einblicke in völlig andere Kulturen, die mich immer wieder nachhaltig beeindrucken.

Sierra Leone

 

Mit welchem Vorurteil gegenüber Afrika würden Sie gerne einmal aufräumen?

(HK) Gerne würde ich Afrika und seine Menschen in einem anderen Licht in den Medien dargestellt sehen. Leider verkaufen sich dort meist nur die schlechten Nachrichten. Afrika soll seine Identität, bzw. die der 54 Länder, erhalten, muss aber auch selbst Initiativen ergreifen, aus dieser immer dargestellten Bittsteller Rolle rauszukommen. Tourismus ist eine dieser Chancen, einen nachhaltigen Tourismus aufzubauen, an dem viele Menschen einen Job in dieser Branche finden können.

(ES) Ich stelle auch heute immer wieder fest, dass Menschen, die noch nicht das Glück hatten, Afrika persönlich bereist zu haben, oftmals negative Assoziationen hegen und denken, dass es in Afrika nur Armut, Krankheiten und Kriminalität gibt. Die Realität sieht jedoch anders aus! Afrika bietet mehr Chancen als Risiken. Von daher würde ich es begrüßen, wenn mehr Unternehmen aus Deutschland und der EU in Afrika in der Wirtschaft investieren. Hier gilt es, Vorsprung einzuholen, denn China hat das schon längst erkannt.

Foto: Fregate Island Private, Seychellen

 

Wie geht es Ihren Partnern vor Ort im Moment? 

(HK) Leider ist die Lage vor Ort sehr verzweifelt. Durch den Wegbruch der Touristen aufgrund der COVID-19 Beschränkungen haben viele ihren Job verloren, die Hotels und sonstige touristischen Einrichtungen sind geschlossen und es stehen viele Existenzen auf dem Spiel. Die Regierungen versuchen durch rigorose Sicherheitsmaßnahmen der Lage Herr zu werden und die Bevölkerung zu schützen. Erst danach wird Reisen wieder möglich gemacht werden können.

(ES) Die aktuelle Situation stellt zweifellos eine große Herausforderung. Gleichzeitig sind unsere Partner gewohnt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Auch deshalb schauen wir mit Hoffnung und Zuversicht nach vorn. Die Unternehmen, mit denen wir bevorzugt arbeiten, sind meist ebenso kleine und privat geführte Unternehmen, die sich verantwortlich fühlen und sich auch für ihre umliegenden Dorfgemeinschaften und den Natur- und Artenschutz engagieren. Diese Projekte finanzieren sich normalerweise über Einnahmen aus dem Tourismus, der aktuell ausbleibt. Es werden die innovativsten Wege gegangen, um beispielsweise Spenden von internationalen Gebern zu generieren, so dass wenigstens das Grundbedürfnis Hunger in den umliegenden Communities gestillt werden kann und Ranger und Guides für den Wildtierschutz unterwegs sein können. Unsere Partner selbst hoffen, wie wir auch, dass sowohl in den Quellmärkten als auch Zielländern mit den ausstehenden behördlichen Entscheidungen möglichst zeitnah mehr Planungssicherheit gegeben ist, so dass der Tourismus zeitnah und mit Bedacht wieder neu beginnen kann. 

Uganda

 

Wird sich das Reisen in Zukunft verändern – und wenn, wie?

(HK) Ich persönlich glaube, dass den Menschen die Angst vorm Reisen insgesamt wieder genommen werden muss. Die größte Angst scheint vorm Fliegen und der damit angeblich verbundenen Ansteckungsgefahr zu bestehen. Hier sind die Airlines gefordert, die richtigen Maßnahmen zu treffen und aber auch zu kommunizieren. Afrika wird leider dieses Jahr nicht zu seinen erhofften Besucherzahlen kommen. Wobei gerade die vielen Afrika Reisende auch Wiederholer sind und auf diesen Urlaub nicht verzichten wollen. Laut Veranstalter müssen aber erst die Grenzen auf beiden Seiten wieder geöffnet werden. Erst danach werden die Bemühungen, den Reiseverkehr wiederaufzubauen, fruchten. Wir werden alle – hoffentlich – etwas bewusster mit der Umwelt umgehen und hier eine andere Achtsamkeit entwickeln. Tourismus ist eine Erfahrung, im Umgang mit der Natur und den Menschen, die größere Bedeutung erhalten wird

(ES) Neben den alt bekannten Stärken kann ‚social distancing‘ hier in der Wildnis mit den kleinen Unterkünften vorbildlich umgesetzt werden. Zudem gibt es zwischenzeitlich einige wunderschöne private Häuser und Camps, so dass auch die beliebten Mehrgenerationen Reisen in Afrika perfekt auf exklusiver Basis durchgeführt werden können. Dadurch können Mindestalter bei Kindern sehr flexibel gehandhabt werden. Dann sind unsere Ziele in der Regel bequem mit Nachtflug und ohne bzw. mit nur wenig Zeitverschiebung erreichbar. Afrika ist und bleibt damit ein sensationelles Reiseziel, um ganz besondere Momente zu schaffen. Momente für die Ewigkeit – und genau das ist meines Erachtens eines der Anliegen, welches sich insbesondere Familien für ihre Urlaubsreisen wünschen, welches sich Hochzeitsreisende erträumen und welches sich Genießer für ihre wohlverdienten Reisen ersehnen.

Weiterhin durfte ich immer wieder von eigenen Reisen feststellen, dass Afrika auch im preislichen Vergleich absolut punktet. Wenn ich eine Reise auf einem vergleichbaren Level in Europa unternehme, dann stellt sich die Afrika Reise auf den ersten Blick natürlich teurer dar, als eine Europa-Reise, auch weil die Anreise nach Afrika in der Regel teurer ist. Jedoch sollte bei dem Vergleich ebenso einbezogen werden, dass aufgrund der Natur des Reisens in Afrika in der Regel alle Kosten vorab im Reisepreis eingeschlossen sind. Bei Europa-Reisen kommen dann oft noch die Kosten für Getränke, Mittag- und Abendessen, Eintrittsgelder sowie Ausflüge vor Ort hinzu. D.h. wenn die Reisekosten unterm Strich nach der Reise als Ganzes verglichen werden, bietet Afrika für vergleichbares Geld ebenso großen Wert und oftmals eine höhere Servicequalität.

Foto: Roving Bushtops, Tansania

 

Jetzt, wo das Reisen nach Afrika gerade noch pausiert – an welchen Ort auf dem Kontinent träumen Sie sich in diesen Tagen besonders gerne hin?

(HK) Auch wenn Afrika derzeit noch pausiert, plane ich meine Reisen nach Kapstadt, Äthiopien und Uganda sobald eben diese Grenzen wieder aufgemacht werden. In der Zwischenzeit entdecke ich unsere Nachbarländer, wie Italien, Schweiz und Frankreich, die gerade jetzt im Sommer traumhafte Reisen ermöglichen. ABER, es müssen erst wieder die Grenzen in den Köpfen abgebaut werden.

(ES) Da kann ich nicht in einem Ort, sondern nur im Plural antworten, da ich mich nach 15 anstrengenden 7-Tage Arbeitswochen mehr als urlaubsreif fühle. Wenn ich aktuell Zeit zum Träumen hätte, die ich mir jetzt dann einfach mal kurz nehme, dann lege ich mich abwechselnd in die Hängematte von Azura Quilalea in Mosambik, an den Lunch-Tisch von Little Chem Chem Tansania, zum High Tea auf das Sofa Deck von Jamala Madikwe in Südafrika, in das Safarifahrzeug von Mara Bushtops mit anschließendem Sundowner in Kenia, in das Bett von Faru Faru Lodge in Tansania und an den Strand von Fregate Island auf den Seychellen … wir haben glücklicherweise so viele wunderbare Traumplätze in unseren Zielgebieten. Es heißt zu Recht: Sehnsuchtsort Afrika!

Azura Quilalea , Mosambik – Foto: Azura Retreats

Mehr Informationen unter kprn.de und bushlegends.de

Das Gespräch führten wir Ende Juni 2020