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Reisen nach Afrika ist die beste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller Faszination und Magie. Reich an hautnahen Begegnungen mit wilden Tieren und herzlichen Menschen. Weite Landschaften, ursprüngliche Natur und dem wahren Rhythmus des Lebens. Doch dieses Jahr sieht alles anders aus. Aufgrund der weltweiten Pandemie reisen wir aktuell nur in unserer Fantasie. Die Sehnsucht, die dieser Verzicht aufs Reisen für uns bedeutet, stellt viele Reiseveranstalter, Safarianbieter und auch die Menschen vor Ort in Afrika vor tief greifende Probleme. Von Existenzängsten bis Hunger und Anstieg der Wilderei. Wir haben mit unterschiedlichen Experten der Branche gesprochen, die alle auf ihre Art von der aktuellen, so einzigartigen Situation betroffen sind. Sie sind stellvertretend für so viele, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Liebe zu Afrika zu leben und sie mit anderen, die genau so begeistert von diesem wunderschönen Kontinent sind, zu teilen. Dieses Mal sprechen wir mit Simone Godfrey, Südafrikanerin mit dem Herzen und Teilhaberin der Bayala Private Safari Lodge & Camp in Südafrika.

Liebe Simone, Südafrika befindet sich immer im noch Lockdown. Für Sie bedeutete dies, dass Sie quasi wochenlang auf Safari waren. Können Sie erzählen, wie es dazu kam?

Wir waren tatsächlich für 12 Wochen auf Nkonka, unserer privaten Lodge, die sich auf dem Phinda Private Game Reserve in KwaZulu-Natal befindet. Wir sind Teil eines 30.000 Hektar großen Big Five Reservats und Teilhaber der Bayala Private Safari Lodge & Camp. Eine Woche vor dem Lockdown in Südafrika Ende März sind wir von Kapstadt nach Durban geflogen, da wir in Nkonka  immer unsere Osterferien verbringen. Unser 20-jähriger Sohn kam gerade noch rechtzeitig aus England zurück bevor es dort zu dem Lockdown kam. Es war eine unglaublich intensive Zeit im Busch, in der wir Gelegenheit hatten, viel mehr über Flora und Fauna zu erfahren, als bei unseren normalen Stippvisiten von max. 2 Wochen.

Der Lockdown bedeutet für Südafrika eine große Herausforderung. Wie ist die Lage im Moment?

Wir hatten in Südafrika zunächst sechs Wochen komplettes Ausgangsverbot. Dies wurde sehr strikt, teils sogar mit Einsatz vom Militär durchgesetzt. Im Busch haben wir zum Glück nichts davon mitbekommen, konnten jeden Tag an die frische Luft und sogar täglich auf Pirschfahrten gehen. Wir haben mit unserem Reserve Manager auch Bush Walks unternommen und ich war mit meinem Mountain Bike in Begleitung von Rangern unterwegs. Wir sind nun auf Level 3 heruntergestuft worden, was uns erlaubt, tagsüber draußen sportlich tätig sein. Viele Geschäfte sind wieder auf, aber das gesamte Tourismussegment ist immer noch geschlossen.

Was sind die größten Herausforderungen, die es aktuell zu meistern gilt?

Die größte Herausforderung ist, die Wirtschaft in Gang zu halten. Dies ist jedoch für die meisten Unternehmen schwer, da der gesamte Export, Tourismus und die Mining Industrie zum Stillstand gekommen sind. Hunderttausende Jobs sind schon auf der Strecke geblieben und die Arbeitslosigkeit, die vorher schon hoch war, ist nun erheblich angestiegen, was sich besonders bei den Tagelöhnern in den Townships bemerkbar macht. Die Regierung hat mit sofortigen Hilfsmaßnahmen mit Lebensmittelpaketen und Rettungsgeldern versucht entgegen zu wirken, aber die Massen sind endlos.

Sie leben mit ihrer Familie in Kapstadt und führen mit Bayala eine charmante Lodge drei Stunden von Durban entfernt. Was macht Bayala aus und wie kam es dazu?

Wir haben vor drei Jahren die Möglichkeit bekommen, das benachbarte Land, angrenzend zu Nkonka, zu erwerben und haben mit zwei weiteren Teilhabern Bayala gekauft. Damals war die Lodge noch Jagdfarm, auf der Großwildjäger – vornehmlich aus den USA und Russland auf Trophäenjagd gingen, um Leoparden, Nashörner etc. … zum Teil illegal … zu jagen. Das war uns als Naturschützer immer ein Dorn im Auge! Die beiden Lodges auf dem Grund und Boden hatten wir ursprünglich nicht ins Auge gefasst, aber nach Überlegung uns entschieden, diese zu renovieren. Wir wollten eine familienfreundliche Safari-Erfahrung bieten, die preislich auch in das hiesige Segment passt. Wir waren der Meinungen, dass die vielen Luxus-Lodges, zu denen auch Phinda gehört, für viele Südafrikaner unerschwinglich sind und es auch eine Nische für den internationalen Markt gibt, die Safari für Familien attraktiver zu machen.

Warum ist es Ihnen ein Anliegen, auch kleinen Gästen die Begegnung mit wilden Tieren zu ermöglichen?

Wir sind der Meinung, dass Naturschutz bei unserer neuen jungen Generation anfängt und wir schon früh den Kindern zeigen müssen, was es bedeutet, die Natur zu erhalten und den Konflikten zwischen Mensch und Tier entgegen zu wirken.

Momentan ist alles in Stillstand geraten. Was bedeutet das für die Lodge, die Tiere und auch die Communities, die Teil des Kreislaufes sind?

Bayala ist seit April geschlossen. Wir dürfen leider weder lokale Gäste empfangen noch internationale, da die Grenzen geschlossen sind. 67 Mitarbeiter mussten das Reservat verlassen und ihre Gehälter sind nur noch bis Ende Juni gesichert. Dann muss der Staat durch Arbeitslosengeld unterstützen. Leider wissen wir nicht, ob und wie viel Geld die Mitarbeiter bekommen werden. Wenn man bedenkt, dass jeder Mitarbeiter ca. 10 Familienmitglieder unterstützt … Alle unsere Mitarbeiter kommen aus den angrenzenden Communities und sind durch „Training on the Jobs“, durch uns ausgebildet worden. Durch die Naturschutzabgabe, die jeder Gast bezahlt, wenn er ins Game Reserve kommt, werden die ganzen Aufgaben der Conservation bezahlt. Jetzt, da diese Gelder nicht fließen, bleiben auch wertvolle Forschungsprojekte auf der Stecke. Auch die Überwachung durch die Anti Wilderer Einheiten drastisch herunter gefahren, weil wir die Gehälter nicht mehr bezahlen können. Somit haben die Wilderer ein leichtes Spiel und dies wird leider bereits durch die Zahlen der verlorenen Tiere, die erheblich angestiegen sind, bestätigt.

Der Schutz der Tiere hat für Sie einen besonders hohen Stellenwert. Mit „The Cycle of Life“ haben Sie ein ganz besonderes Projekt ins Leben gerufen, das sich primär dem Schutz der Nashörner verschrieben hat.

Genau. „Cycle of Life“ ist eine Charity-Organisation, die ich vor sieben Jahren – mitten in der Krise der Nashorn-Wilderei – gegründet habe. Seitdem haben wir zahlreiche Projekte realisiert, vor allen Dingen zum Schutz der Nashörner. Durch unsere Gelder konnten auch verletzte Nashörner, behandelt werden – jeder unserer Schritte und jedes Projekt sind auf der Website https://thecycleoflife.co.za mit Videos sowie Bildern und Beschreibung nachvollziehbar. Dazu gehören die größten Projekte: der Bau eines Bomas für verletzte Nashörner für Dr. Mike Tofts Zululand Wildlife Treatment Centers, eine Ausrüstung der APU (die Anti Wilderer Einheit) und in diesem Jahr auch die Zahlung derer Gehälter, zudem das Enthornen von über 300 Nashörnern. Durch unsere deutsche Partnerorganisation konnten wir der benachbarten Schule unserer Community, ein Borloch bauen, über der Kilomater Leitungen verlegen und mit einer solarpumpe sicherstellen, dass es dort fließendes Wasser gibt. Unseren deutscher Verein „Cycle of Life e. V.“ gibt es nun auch schon seit zwei Jahren und hier kann man auch Spenden gegen Quittungen einzahlen.

Wir konnten auch das gesamte Funk-Netzwerk des Südwesten unseres Reservats mit Solaranlagen ausstatten, so dass die Kommunikation des Reservat-Managements zur Beobachtung und zum der Schutz der Tiere gewährleistet ist.

Warum sind Nashörner insbesondere in Südafrika so bedroht?

Nashörner sind nicht nur in Südafrika, sondern in ganz Afrika vor dem Aussterben bedroht. In manchen Ländern und vielen Regionen sind sie bereits komplett verschwunden. In Südafrika hingegen gibt es im Vergleich noch eine sehr große Population – und daher ist die Wilderei hier auch beträchtlich. Nashörner werden gewildert, um dem asiatischen Markt als Heilmittel zu dienen, aber auch als Statussymbol.

 

Wie Sie bereits erzählt haben, unterstützen Sie auch die regionale Anti-Wilderer-Einheit. Wie viele Mann braucht es, um die Tiere zu beschützen und wie gewährleisten Sie das im Moment?

Das gesamte Reservat von 170 km² hat ca. 85 Männer in der APU, die alle von der Firma ausgebildet werden, die das Reservat bewacht. Hauptsächlich kommen diese Wachen aus den anliegenden Gemeinden. Leider mussten wir die Anzahl der Mannschaft aktuell auf die Hälfte reduzieren, weil die Kosten zu hoch sind und wir keine Einnahmen haben.

Können Sie bitte auch erklären, warum das Enthornen der Nashörner ihr Leben sichert? 

Seitdem wir vor vier Jahren mit dem Enthornen angefangen haben, hatten wir keinen einzigen Fall von Wilderei an Nashörnern mehr auf unserem Reserve. Das ist eine sehr gute Erfolgsgeschichte! Allerdings kostet das „Dehorning“ eines Tieres ca. R 30,000 (etwas mehr als 1.500 Euro), da wir einen Helikopter zum Betäuben des Nashorns einsetzen müssen sowie den Tierarzt plus die DNA-Analyse und das eigentlich Betäubungsmittel. Das ist alles sehr kostspielig. Zur Zeit sind diese Gelder nicht vorhanden, und wir können das jährliche Trimmen des Horns ebenfalls nicht vornehmen.

Ebenso wie die Welt und auch Südafrika nach und nach aus dem Stillstand aufwacht, kommt auch wieder Leben in den Tourismus. Ab wann rechnen Sie wieder mit internationalen Gästen?

Es gibt Hoffnung oder Spekulation, dass ab September der internationale Tourismus wieder zu Leben erwacht, aber eine definitive Zusicherung seitens der Regierung gibt es noch nicht.

Denken Sie, dass sich das Reisen durch Corona und nach der Krise verändern wird?

Das Reisen wird sich auf jeden Fall verändern: Wir hier in Südafrika haben schon große Auflagen vom Tourismusverband bekommen – insbesondere was die Hygienevorschriften in der Hotellerie und Gastronomie anbelangt. Ich denke, dass es überall neue Vorschriften geben wird.

Kann vielleicht gerade der afrikanische Kontinent durch das neue Bewusstsein als Gewinner in Sachen Reisen aus dieser ganzen Situation hervorgehen?

Unsere Infektionsraten sind die geringsten der Welt und auch unsere Todesrate hat gerade „erst“ 1.000 Personen überschritten. Wir haben frühzeitig reagiert und durch extrem hohes Testen die Hotspots frühzeitig erkannt. Durch das richtige Marketing und die gezielte Aufklärung kann Afrika generell ein Gewinner sein, denn die Leute haben mehr denn je das Bedürfnis, sich in der Natur aufzuhalten und sich mit ihr verbunden zu fühlen. Wenn wir bedenken, dass es bei uns die größten Tierreservate und Naturschutzparks gibt, könnte dies der Markt der Zukunft sein.

Sie sind gebürtige Deutsche, leben aber schon seit vielen Jahren in Südafrika. Was haben Sie diese Zeit vom anderen Ende der Welt aus erlebt?

Ich komme aus Mainz, habe meine Schulzeit aber in Bad Neuenahr verbracht. Dann bin ich zum Tourismus Studium nach Düsseldorf und war in meinem ersten Job bei der Lufthansa in der Produktplanung von Südafrika tätig. Ich bin sehr stolz darauf, wie Deutschland diese Krise gemeistert hat und es war sehr schwer zum ersten Mal in der Situation zu sein, nicht schnell mal eben zu meinen Eltern und meiner Familie reisen zu können. Das hat mich am meisten beunruhigt: Nicht zu wissen, wann und ob ich sie wieder sehen werde. Aber nun sieht es so aus, dass wir hoffentlich Ende Juli nach Deutschland reisen können.

Was lieben Sie an Ihrer Herzensheimat Südafrika? 

Ich liebe Kapstadt, unsere Freunde dort und unser Leben zwischen einer kosmopolitischen Stadt und dem afrikanischen Busch! Zwei Extreme – und beide einfach atemberaubend schön!!!

Welchen Ort möchten Sie unbedingt besuchen, sobald es wieder möglich ist?

Da ich ja aus einer anderen Perspektive reise und nun wirklich lange Zeit im Busch war, würde ich spontan gerne nach Norditalien und Verona. Ich habe wunderbare Erinnerungen an die Natur und die Kultur … und kulinarisch ist das allemal ein Erlebnis!

Weitere Informationen unter bayalagamelodge.co.za
und The Cycle of Life

Das Gespräch führten wir im Juni 2020