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Mein Storch sollte eigentlich nach Afrika fliegen

Die Wienerin Brigitte Philp hegt eine tiefe Liebe zu Afrika. Für die Übersetzerin, Gerichtsdolmetscherin und Künstlerin ist dieser Kontinent eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Ihre Bilder und Objekte sind ein Spiegel von Afrikas Farbenpracht, Vielschichtigkeit, Lebendigkeit und Lebensfreude.

Brigitte, erzähl uns doch ein bisschen über dich.

So wie Afrika habe auch ich viele Gesichter. Von Beruf bin ich Übersetzerin und Gerichtsdolmetscherin. In den letzten sieben Jahren ist allerdings die Künstlerin in mir aus- und durchgebrochen. Ich nenne das: „Ausgleich und Fitness für meine Gehirnhälften“. Die linke ist ja die akademische und analytische, die ich vorwiegend bei meiner sehr anspruchsvollen und strukturierten Arbeit nutze. Die rechte ist die kreative, fantasievolle und autodidaktische, die beim Malen aktiviert wird und all die Jahre stark unterfordert war. Als Übersetzerin und Dolmetscherin stehe ich im Hintergrund, bin eingeschränkt und reproduziere die Stimme anderer Menschen, was sie sagen, ohne selbst zu interpretieren, wie ein Fährmann, der Inhalte von einem Ufer oder einem Kulturbereich zum anderen transportiert und vermittelt. Als Künstlerin bin ohne jede Einschränkung, stehe im Vordergrund und bin meine eigene Stimme. Dabei bin ich frei, meine eigenen emotionalen Tiefen zu ergründen und kann die Kraft der Gegensätze für meine Kreationen nützen. Kunst ist ja eine emotionale Sprache, die dem Unterbewusstsein und nicht der Logik entspringt.

Wie bist du mit dem Kontinent Afrika in Berührung gekommen?

Afrika war immer meine große, anfangs heimliche Liebe. Es lag irgendwie in der Familie. Schon mein Vater sagte: „Weißt Du, als der Storch mich brachte, wollte er eigentlich nach Afrika fliegen. Leider ist er aufgrund schlechter Wetterbedingungen über Österreich abgestürzt! Nur deswegen bin ich hier.“ Es war ihm, wie sicher auch dem Storch, ständig kalt. Ich leide ebenfalls sehr unter der Kälte hier im Winter. Als ich das erste Mal 1989 nach Kenia reiste, hatte ich bei der Ankunft das deutliche Gefühl, dass dies der Ort ist, wo wir alle herkommen. Afrika – der Ursprung der Menschheit. Ich wusste, ich würde wiederkommen. Nach einer weiteren Reise 1995 dauerte es allerdings doch noch einige Jahre bis zu meiner endgültigen Wiederkehr.

Was hat Dich zu dieser Wieder-, Um- und Rückkehr bewogen?

Es war mehr oder weniger Zufall. Ich wollte dem unwirtlichen Winter 2017 in Wien entfliehen und erinnerte mich an meines Vaters Storch. Ich kam wieder auf Kenia. Es ist im Vergleich ein sicheres Land. Ich fuhr ins Paradies, in die Masai Mara, und fühlte mich sofort zu Hause. Nirgendwo anders auf der Welt habe ich so wunderbare Sonnenauf- und -untergänge erlebt. Die Farben sind überwältigend, das Licht ist einmalig und die Tierwelt faszinierend. Das hat mir so viele neue Ideen für meine Malerei gegeben. Der Inspiration sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe auch erstmals Nairobi und seine schönen Gegenden kennengerlernt. Ich bin auf Karen Blixens Spuren gewandelt, nach der ja auch ein ganzer Bezirk in der Stadt benannt ist. Ihr Haus hat mich sehr berührt, und auch wie beliebt sie bis heute dort ist. Sie hat dem Land viel Gutes getan. Da dachte ich mir, vielleicht kann ich auch ein ganz klein wenig zurückgeben, mir gleichzeitig meinen Lebenstraum erfüllen. So kaufte ich mir ein Haus in Nairobi ganz nahe bei Karen – mit Blick auf den einzigarten Kenia National Park. So etwas gibt es kein zweites Mal auf der ganzen Welt. Ein Wildlife Park in der Mitte von Wolkenkratzern. Ich stehe auf meiner Terrasse, sehe eine Giraffe und in einiger Entfernung dahinter wieder die moderne Welt. Ich habe jetzt meinen eigenen Wildlife Park vor der Haustüre. Das Klima in Nairobi hat mich ebenso „milde“ gestimmt. Es wird nie wirklich furchtbar heiß. Es ist auch deutlich, dass das Land sehr bemüht ist, etwas für seine Menschen zu tun, von denen natürlich noch viele in großer Armut leben. In jedem noch so kleinen Dorf gibt es eine Schule, die Bautätigkeit in Nairobi ist emsig, der Mittelstand soll gefördert werden. Ich fliege also jetzt zwischen Nairobi und Wien hin und her, denn meine Wurzeln sind ja hier und die möchte ich auch nicht verleugnen.

Wie bist Du von den Menschen aufgenommen worden und wie findest Du das Leben in Nairobi?

Außerordentlich freundlich. In meiner Wohnanlage wird Nachbarschaftshilfe großgeschrieben. Die Nationalitäten sind bunt gemischt, dort funktioniert die multikulturelle Gesellschaft im Kleinen. Ich erlebe die Kenianer als sehr zuvorkommend, wenn man auf der Straße stolpert, sagt ein Vorbeigehender „I am sorry“, hält inne und ist besorgt, ob man OK ist. In Wien ist mir das leider so noch nie passiert. Im besten Fall geht jemand vorbei und sagt: „Geht’s eh?“, natürlich ohne stehenzubleiben. Es gibt auch eine sehr nette österreichische Community in Nairobi, viele Österreicher arbeiten in Hotels, großen Firmen, Banken, bei UNO-Organisationen und engagieren sich auch karitativ. Sollte man Hilfe brauchen, bekommt man sie von allen Seiten. Zudem ist das tägliche Leben natürlich für uns recht günstig. Es gibt herrliche Märkte, deren Farbenpracht mich zu so manchem Bild inspiriert hat, und erst der herrliche Kenianische Kaffee! Alles, was importiert wird, ist logischerweise teuer, aber es gibt prinzipiell alles zu kaufen. Die medizinische Versorgung ist durch viele sogenannte „Private Clinics“ gewahrt. Sicherheit ist dem Land sehr wichtig, überall gibt es Personen- und Taschenkontrollen. Ich habe mich noch nie auch nur einen Moment unsicher gefühlt, da ich mich einfach daran gehalten habe, wenn mir Einheimische rieten, irgendwo nicht hinzugehen oder hinzufahren. Es empfiehlt sich auch, wie in New York, nur lizensierte Taxis zu benützen. Nairobi hat auch teilweise ein recht schickes Nachtleben, es gibt viele hippe Clubs zu entdecken.

Das ist das Leben in der Stadt. Reist du auch durch das Land?

Das Schönste ist natürlich die Möglichkeit, verschiedenste Safaris zu unternehmen. Sowohl per Flugzeug als auch mit dem Auto. Ich war bereits in fast allen großen „Sanctuaries“. Es war ein unglaubliches Erlebnis mit dem Auto durch das Land zu fahren, von Schutzgebiet zu Schutzgebiet, und auch die Gegenden dazwischen zu sehen … wie die Menschen wirklich leben und was ihre tatsächlichen Probleme sind.

Hat Afrika an Deiner Kunst etwas verändert?

Oh ja, eindeutig. Ich würde sagen, sie ist viel fließender und farbenfroher geworden. Ich habe ja keine professionelle künstlerische Ausbildung und bin Autodidaktin. Ich orientiere mich daher an anderen Künstlern oder meinen persönlichen Eindrücken. Ich arbeite ausschließlich mit Acryl, Pouring Medien zum Verdünnen und sehr nachhaltig. Alle Farbreste werden bei mir verwendet, auf den Boden getropfte Farben stelle ich dann zu Collagen zusammen. Nach meiner letzten Rückkehr aus Kenia habe ich eine Bildserie „Flows“ genannt. In Afrika fließt alles, ist in Bewegung, hält aber oft im richtigen Moment inne, die rote Erde, die Natur, die Tiere, die Menschen. Eine neue Idee war auch meine Serie „AnimalsOfAfrica“. Pappmaché-Tiere, die ich mit der Pouring Technik beschütte, und zwar absichtlich in Farben, die sie in der Natur nicht haben. Michaell Magrutsche, ein befreundeter österreichischer Künstler, der jetzt in Los Angeles lebt, sagt: „Versuche nie die Natur nachzumalen, denn sie wird immer besser sein als Du.“ Ich habe jetzt schon eine richtige bunte Herde aus Nashörnern, Büffeln, Elefanten, Löwen, Giraffen, Zebras, Flamingos, Salamandern.

Ein unvergessliches Erlebnis von Dir in Kenia?

Oh, da gibt es so viele … Um sechs Uhr früh in der feinen Ol Tukai Lodge in Amboseli. Die Sonne geht hinter dem Kilimanjaro auf, zuerst ganz lila und rosa, dann wird sie orange und gelb – und die Elefanten erscheinen ruhig und erhaben am Horizont. Ich habe für einige Zeit alles um mich herum vergessen und dachte nur: so also fühlt sich das Paradies an.
Oder drei Stunden Fahrt durch die Masai Mara – und plötzlich steht ein paar Meter vor dem Auto, ein Leopard, hoch oben auf dem Baum seine Beute, ein Büffelkalb.
Für Augenblicke wie diese werde ich ewig dankbar sein. Und davon gibt es viele in Kenia.

Hast Du irgendwelche Geheimtipps für uns, wo es besonders nett und fein ist, unterzukommen oder zu essen?

Nach meinen bisherigen Aufenthalten ist mein persönliches Ranking:

1. Mara Engai Lodge in der Masai Mara – www.maraengai.info
2. Kichwa Tembo Camp in der Masai Mara www.maasaimara.com/entries/kichwa-tembo-camp
3. Angama in der Masai Mara – www.angama.com
4. Ol Tukai Lodge in Amboseli – www.oltukailodge.com
5. Tamarind Tree Hotel, Langata, Nairobi – www.tamarindtree-hotels.com
6. The Carnivore Restaurant, Langata, Nairobi – www.tamarind.co.ke/restaurant.php?carnivore

 

Brigitte Philp

Weitere Informationen unter

www.philp.at