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Nach Indien kann man einfacher reisen als in die Einsamkeit Namibias: Afrika-Experten kritisieren, dass auf der Liste der Virusvariantengebiete fast nur afrikanische Länder stehen.

Anfang Juli wurden zahlreiche Virusvarianten-Gebiete, darunter England, Portugal und Indien, zu Hochinzidenzgebieten zurückgestuft. Elf Länder blieben Virusvariantengebiet – neun davon liegen in Afrika, so etwa Südafrika, Namibia, Zimbabwe oder Botswana. Mit weitreichenden Folgen. Deutsche Reiserückkehrer aus diesen Ländern müssen in jeden Fall 14 Tage in Quarantäne – auch wenn sie geimpft oder genesen sind.

„Die Delta-Variante hat sich bekanntermaßen inzwischen in vielen Ländern durchgesetzt, etwa in Großbritannien, Portugal, Indien, aber auch in Deutschland. Es ist deshalb überhaupt nicht nachvollziehbar, warum überwiegend afrikanische Staaten, in denen ebenfalls die Delta-Variante vorherrscht, weiterhin als Mutationsgebiet gelten. Diese Länder müssen mit strengen Reiserestriktionen kämpfen, während andere sich über Erleichterungen freuen“, sagt Werner Gordes, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft südliches & östliches Afrika (ASA). „Wir wünschen uns eine Gleichbehandlung der Länder und keine Stigmatisierung eines ganzen Kontinentes.“ Überdies seien touristische Reisen in Afrika unter Corona-Aspekten besonders sicher. Sie führen meist abseits großer Menschenansammlungen durch die Natur, so dass Abstandsregeln in hohem Maße eingehalten werden können.

Namibia, NamibRand Nature Reserve. Foto: Jutta Lemcke

Viele Stimmen, eine Meinung

Der Unmut der Afrika-Reiseveranstalter über die derzeitige Situation ist groß. Viele vermuten eine generelle Abstrafung eines Kontinents. Die Lage vor Ort werde nicht im Einzelnen geprüft. Vielmehr nehme man pauschal an, dass Afrika die Pandemie nicht im Griff habe und man Reisen deshalb grundsätzlich unattraktiv machen müsse. Auch den Kunden gegenüber sei man in Erklärungsnot. „Ich kann niemandem klarmachen, wieso jetzt Reisen nach Indien und Großbritannien sicher möglich sein sollen, aber nach Botswana oder Südafrika nicht. 50.000 Gäste in einem Fußballstadion sind erlaubt, aber Reisen in Einsamkeit in Namibia beispielsweise sind angeblich zu gefährlich“, kritisiert Jörg Ehrlich, Geschäftsführer des Reiseveranstalter Diamir Erlebnisreisen und ASA Vorstandsmitglied.

Auch Michael Merbeck, ASA-Mitglied und Inhaber von Abendsonne Afrika fordert ein Umdenken in der Corona-Politik. „Die Regelungen sind nicht nachvollziehbar. Da blickt man als deutscher Fernreise-Touristiker mit Neid auf die Schweizer, die mit Pragmatismus, Realitätssinn und Logik agieren. Die Schweizer und Amerikaner scheinen ihrem Impfstoff auch mehr zu vertrauen als die Deutschen. Es drängt sich der Gedanke auf, dass Corona-Entscheidungen nicht auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, sondern in erster Linie politisch motiviert sind.“

Safari Guide mit Hygienemaßnahmen. Foto: Jutta Lemcke

Die Not vor Ort ist immens

Doch nicht nur die Safariliebhaber und Reiseveranstalter in Deutschland spüren die Folgen der Corona-Politik. Vor allem vor Ort sind die Konsequenzen dramatisch. Da die Touristen ausbleiben, kommt es zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Jochen Reinhold von der touristischen Beratungsagentur International Spice Collection spricht von einer alarmierenden Lage in zahlreichen Ländern Afrikas. Viele Menschen und ihre Familien würden in die Armut getrieben. Bedroht sei auch der Naturschutz. Viele Maßnahmen hängen am Tropf touristischer Einnahmen, die nun ausbleiben.

Das Auswärtige Amt hat sich bislang nicht konkret zur Beurteilung afrikanischer Länder geäußert. Allgemein heißt es nur, dass die Einstufung fortlaufend überprüft und anlassbezogen aktualisiert wird.

 

Über die Autorin:

Jutta Lemcke
schreibt als Reisejournalistin für namhafte Tageszeitungen, Magazine und Online-Portale. Als Kind lebte sie mit ihren Eltern drei Jahre lang in Westafrika – vielleicht liegt darin der Grund für ihre Afrika-Leidenschaft. Sie begeistert sich für Kultur, Natur – und vor allem für Menschen und ihre Geschichten.